Eigene Werkstatt für unsere Jungs

# Freizeit

Dinge selber machen, sich ausprobieren und vor allem seine Freizeit sinnvoll und kreativ gestalten – die besten Argumente um das Aufräumen der Werkstatt in Angriff zu nehmen.

Selbständig haben unsere Jungs die letzten Tage genutzt, um „ihre“ Werkstatt auszumisten und aufzuräumen.

Die Verantwortung für „ihre“ Werkstatt tragen die Jungs selbst – sowohl Organisation wie auch die Ordnung liegt in ihren Händen. So ist neben dem positiven Effekt einer sinnvollen Freizeitgestaltung auch gleich ein Raum entstanden für den sie gemeinsam verantwortlich sind 😉

In eigener Sache: Werkzeug gesucht

Für die Werkstatt suchen wir übrigens noch etwas Werkzeug. Konkret können die Jungs einen Akkuschrauber und einen Schwingschleifer gebrauchen. Wenn Sie hier helfen möchten, sprechen Sie uns bitte einfach an: kontakt@colab.de.

Danke…

Natur erleben statt kiffen…

# Freizeit

Das Wochenende unbeschadet zu überstehen, kann schwierig sein für unsere Jungs. Der Tag ist nicht gefüllt, Langeweile droht, ein gefährlicher Trigger, wenn man Suchtkrank ist.

Daher sind wir immer bemüht, Freizeitangebote zu machen. Dies ist wiederum für uns nicht einfach, da die Jugendlichen nicht über das notwendige Geld verfügen und sich auch nicht immer ehrenamtliche Helfer für einen Ausflug oder ähnliches finden.

Blick in die Talsperre Ohra in Thüringen

Heute hat es geklappt. Wir besuchten gemeinsam die Ohra-Talsperre im schönen Thüringen. Das Wetter war fantastisch. Mit geliehenen eScootern umrundeten wir den großen See. Das war auch für die Jungs ein tolles Erlebnis.

Wir sind froh, wenn die Freundschaften zwischen den Jugendlichen mehr und mehr auf derartige Erlebnisse basieren. Dies verbindet und hilft ihnen sehr bei ihrer Genesung.

Reaktion eines der Jugendlichen

Vielen Dank an dieser Stelle den Spendern und ehrenamtlichen Helfern, die uns derartige Angebote ermöglichen!

Website der Talsperre Ohra

Fortschritte am „Haus der Demut“

# Arbeits- „blog“

Ende 2019 haben wir ein kleines und ziemlich verwahrloses Fachwerkhaus an einem idyllisch gelegenen abgelegenen Ort gekauft. Wir hatten zuvor festgestellt, dass wir „unseren Jungs“ zeitweise einen Abstand zur Gruppe einräumen müssen, wenn sie sich problematisch verhalten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sie Rückfälle zum Drogenkonsum haben und keinen Entgiftungsplatz angeboten bekommen. Die bisherige Alternative war eine „Abstandsbeurlaubung“ auf die Straße mit teilweise fatalen Folgen.

Dieses Haus haben wir nach Entrümpelung und ersten Reparaturen nun schon mehrfach erfolgreich eingesetzt und möchten es nun verbessern. Daher renovieren wir es gemeinsam mit den Jugendlichen.

Diele im OG vor der Renovierung
Altes Schlafzimmer

Bewußt möchten wir es einfach aber dennoch ordentlich halten. Das Konzept ist, dass der Jugendliche in dem Haus sich auf die wesentlichen Dinge besinnen kann und sich und seine Umgebung (wieder) zu schätzen lernt.

Neuer Boden im OG

Das Haus kann in zwei Settings genutzt werden: zunächst bietet das Haus ein einfaches Obdach, welches aus einem kleinen spärlich eingerichtetem Wohn- und Schlafzimmer, einer Küche und einem Bad besteht. In der Erweiterung gibt es eine Stube, welche Gemütlichkeit ausstrahlt und die erweiterte Freizeitmöglichkeiten bietet. Die Stube wird geöffnet, wenn der Jugendliche dafür bereit ist.

Zukünftiges Wohn- und Schlafzimmer in Renovierung

Das Haus soll zukünftig auch der Ort sein, an dem neue Jugendliche bei uns beginnen. Es ermöglicht uns, rasch Hilfe aufbauen zu können, ohne die Kerngruppe zu gefährden, denn „Neulinge“ bringen durch eingefahrene Verhaltensmuster oft große Probleme mit.

Nachtrag: Da die Frage immer wieder gestellt wird: warum heißt das Abstandshaus „Haus der Demut“?

„Nichts ist selbstverständlich…“

Natürlich wird in diesem Haus keiner gedemütigt. Es geht in diesem Haus darum, eine eigene innere Einstellung zu seinem Leben und seinem Umfeld zu finden. Wenn ein junger Mensch das Haus nutzen möchte, war sein Verhalten zuvor meist geprägt von Übermut, Selbstüberschätzung und dem Spielen von Rollen. Ein Rauswurf aus der Gruppe drohte, da ein Miteinander nicht mehr möglich war.

Demut bedeutet für uns, Respekt vor sich und anderen zu wahren, sich und seine Mitmenschen zu schätzen, sich und anderen zu vergeben und zufrieden mit sich zu sein.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei den Helfern und Spendern bedanken, welche uns diesen wichtigen Baustein unserer Arbeit ermöglichen.

Newsletter 10/2020

„Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.“ (Helmut Kohl)

Sehr geehrte Mitmenschen,

dieses Zitat erklärt in vielerlei Hinsicht das Selbstverständnis unserer Arbeit. Die CoLab ist eine gemeinnützige Organisation, die sich seit vielen Jahren um Jugendliche am Rand unserer Gesellschaft kümmert. Es gibt eine große Anzahl von jungen Menschen, Studien sprechen von 20 000, die teilweise ohne Wohnsitz, substanzabhängig und perspektivlos in Deutschland leben. Sie sind „entkoppelt“, d.h. ohne Halt zu finden sind sie durch alle staatlichen Angebote und Netze gefallen. Schwer vorzustellen in unserem Land, oder? Hier ein kurzes Beispiel der Lebenswelt einer unsere Jungs:

F. ist bis zu seinem 14. Lebensjahr bei seiner Mutter aufgewachsen, die mit ihrem neuen Lebenspartner noch acht weitere Kinder hat. F. schwänzte die Schule, nahm Drogen. Die Situation daheim eskalierte immer mehr. So kam F. in die erste Heimeinrichtung. Er fühlte sich verstoßen, nicht gewollt. In der Folge wurde sein Verhalten immer exzessiver – mehr Drogen, mehr Gewalt, mehr Kriminalität. In keiner Heimeinrichtung durfte er lange bleiben – ein stetiger Wechsel zwischen Heimeinrichtung und Psychiatrie war die Folge. Immer wieder hatte F. den Wunsch sein Leben in den Griff zu bekommen. Er begann eine Ausbildung, scheiterte jedoch am Drogenkonsum.

Mit seinem 18. Geburtstag endete abrupt und ohne Vorwarnung die Jugendhilfe. Ja, F. war in seinem Verhalten sicherlich nicht einfach, aber nun saß er auf der Straße. Die Spirale von Drogen und Kriminalität drehte sich weiter, immer schneller. F. flüchtete sich in eine Beziehung – das Mädchen psychisch mehr als instabil, aber er wollte sie retten. Der nächste Teufelskreis.

Der Vater von F. saß im Übrigen wegen Gewaltdelikten jahrelang in Haft, hat selbst eine Alkohol- und Drogenproblem.

F. hat bei der CoLab einen Ort gefunden, wo er hingehört und wo er dazugehört.

Im festen Glauben daran, dass jeder junge Mensch die Chance bekommen sollte, seinem Leben eine Wendung zu geben, starten wir jeden Tag motiviert und neu unsere Arbeit. Diese verrichten wir ohne staatlich Zwänge und Vorgaben, aber damit auch ohne staatliche Mittel. Um jungen Menschen auch weiterhin unterstützend zur Seite stehen zu können, benötigen wir Ihre Hilfe.

-> zu unserem Newsletter

Mit unserem Newsletter wollen wir Sie künftig auf dem Laufenden halten, was in der CoLab passiert. Transparenz, aber auch die Sichtbarmachung der Lebensumstände einer Vielzahl junger Menschen sind uns ein Anliegen!

PS: Sollten Sie den Newsletter per E-Mail wünschen, teilen Sie es uns einfach mit!

Freundliche Grüße

Katja Neumann
Öffentlichkeitsarbeit
CoLab gGmbH – Das Fachkraftwerk
Telefon: 06232/877-352
Mobil: 0171 2082071
Mail: k.neumann@colab.de
Web: colab.de

Leckerer Dienstag

# unser Alltag

Unserer heutiger Gruppenabend war ein ganz besonderer, denn wir haben unseren kulinarischen Horizont erweitert 🙂

Heute Abend haben wir mal nicht selbst gekocht, sondern sind Essen gegangen. Wir waren in Eisenach beim Libanesen und wir waren mega begeistert!

Autofahrer

# unser Alltag

Manchmal braucht man einfach einen vertrauenswürdigen Fahrzeugführer 😉

Schulabschluss anders

# unsere Arbeit mit entkoppelten Jugendlichen

Mustafa bereitet sich auf seine Prüfungen zum Realschulabschluss vor – wer hätte das für möglich gehalten?

2015 kam Mustafa, wie viele andere minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland. Die Integration in ein anderes System, andere Werte und Erwartungen gestaltete sich nicht problemlos. Das Erlangen des Hauptschulabschlusses war immer sein Ziel, dennoch waren sein regulärer Schulbesuch von Schwierigkeiten und daraus resultierenden Schulwechseln geprägt. 2019 musste er dann auf Grund seines Verhaltens seine letzte reguläre Schule verlassen und verlor damit die Chance auf einen „normalen“ Abschluss.

Damit ging es Mustafa wie der Mehrheit unserer entkoppelten Jugendlichen: auf Grund von wie auch immer gearteten Schwierigkeiten gelingt es diesen jungen Menschen nicht ihre Schule erfolgreich abzuschließen. Laut Bundestag haben „im Jahr 2017 bundesweit 6,9 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne einen Schulabschluss verlassen.“ (Bundestag 19/14054)

Diese Zahl beschreibt, zumindest zu einem gewissen Anteil, eine bereits aus der Schule abgekoppelte heterogene Gruppe von jungen Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen. Die Werte, die diese Gruppe vereint sind jenseits dem leistungsorientierten, angepassten und zielstrebigen Durchschnitt zu suchen. Stattdessen findet ein Leben im Moment statt – ohne Gedanken an die Zukunft, ohne Strategie und ohne Ziele.

Erst im Laufe der Zeit wird diesen jungen Menschen manchmal klar, dass ein Schulabschluss die Grundlage für eine Ausbildung und damit für ein selbstverantwortliches Lebens ist.

In unserer Gesellschaft sind verschiedene Anknüpfungspunkte etabliert, die diese jungen Menschen nach dem Abgang aus der regulären Schule auffangen könnten und sogar die Chance auf einen gleichgestellten Schulabschluss für Nichtschüler bieten. Die Probleme dabei sind allerdings, dass von den jungen Menschen das gleiche Maß an Selbstorganisation und Verlässlichkeit erwartet wird wie zuvor in der Schule. Zum anderen werden durch das dort vorhandene Klientel alte Gewohnheiten und Kontakte getriggert, somit beginnt häufig eine erneute Spirale von Maßnahmeabstinenz und Orientierungslosigkeit.

Was also tun?

Nachdem wir diese Problematik erkannt hatten, haben wir uns vor einigen Jahren dazu entschieden die Vorbereitung auf den Schulabschluss für Nichtschüler CoLab-intern anzubieten. Unsere Jungs sind dabei natürlich eingebunden in ihren „CoLab-Alltag“ – sie haben ein verlässliches Umfeld, all ihre Probleme und Anliegen werden ernst genommen und sie haben für sich Ziele gefunden, die sie im Leben erreichen wollen. Mit diesem erkannten Sinn gelingt auch das Lernen für den Schulabschluss.

Die jungen Menschen, die diesen Weg bei uns gehen, werden von uns intensiv auf alle anstehenden mündlichen und schriftlichen Prüfungen vorbereitet. Die Vorteile hierbei sind, dass der notwendige Unterricht in Kleinstgruppen stattfindet und wir eine Lernatmosphäre haben, die jenseits der üblichen Schulkultur liegt. Damit sind nicht nur die Trigger des Umfeldes, sondern auch des Schulabsentismuses nicht vorhanden.

Die schriftlichen und mündlichen Prüfungen werden dann in Kooperation mit einer staatlichen Schule abgenommen – hier gibt es wahnsinnig tolle LehrerInnen, die unser Klientel kennen und verstehen und diese umsichtig durch ihre Prüfungen bringen.

Diesen Weg ist Mustafa gemeinsam mit seinem Kumpel Rawan im vergangenen Jahr gegangen. Beide Jungs haben im Januar erfolgreich ihren Hauptschulabschluss abgelegt.

Da Mustafa mit dem Ergebnis seines qualifizierenden Hauptschulabschlusses zwar zufrieden, aber noch nicht vollends glücklich war, hat er sich vorgenommen seinen Realschulabschluss zu erreichen. Und so sitzt er heute hier und rechnet seine Matheaufgaben.