Abgehauen, (um wieder zu kommen…)

# Arbeit mit entkoppelten Jugendlichen / Pädagogik

Es gehört zu unserem Konzept, dass junge Menschen auch mal für längere Zeit abhauen. So geschehen vor etwa 2 Monaten. Einer „unserer“ Jungs konnte dem Reiz der Welt nicht widerstehen: Er fühlte sich durch seinen bisherigen Lebensweg eingeschränkt, zu mühsam war das alles. Es musste doch auch schneller gehen? Sein Bruder hatte bereits eine Wohnung und schien damit viel Spaß zu haben! Also packte der Junge kurzerhand seine Sachen und war fort…

Dies erleben wir immer wieder und es gehört zu dem Weg dazu. In so einem Fall bieten wir an, den Kontakt zu halten, auch wenn „der Abgang“ manchmal „unschön“ ist.

Vor ein paar Tagen dann kam der Junge nun wieder zurück. Etwas „zerstört“, mit viel Hunger, aber auch mit neuen und wertvollen Erfahrungen. Wir wissen ,dass diese Erfahrungen wichtig sind für „unsere“ Schützlinge.

Coming-back Option: In die AWAG Mittelmühle können sie immer wieder hin, das ist immer ihr Zuhause.

In der etablierten Jugendhilfe wäre so etwas eher undenkbar. Entweder würde z.B. bei einem 17-Jährigen die Polizei hinterher geschickt, oder es wäre bei jungen Volljährigen nach so einer „Aktion“ der Geldhahn abgedreht…

Entkopplung junger Menschen entgegenwirken: die so wichtige Freizeitbeschäftigung holt Jugendliche zurück aus Tristesse, Sucht und Perspektivlosigkeit

# Arbeit mit entkoppelten Jugendlichen / Pädagogik

Entkoppelte Jugendliche sind oftmals gefangen in ihrer eigenen Lebenswelt. Diese ist äußerlich betrachtet geprägt von Unsicherheit, Perspektivlosigkeit und Langeweile. Aber auch von der Unwissenheit der eigenen Interessen, Talenten und Fähigkeiten. Was fehlt, ist der Sinn:

Wofür möchte ich mein Leben einsetzen, wie möchte ich das haben?

Dieser Tristesse entkommen die Jungen Menschen durch eine Flucht in den Konsum von Suchtmitteln. Durch diese Selbstmedikation scheint die Welt erträglich, ein Teufelskreis entsteht. Diese Jugendlichen „funktionieren “ dann irgendwann nicht mehr, werden aussortiert, entkoppelt, nicht mehr erreicht.

Diesem Kreis kann man entkommen, wenn man andere Dinge kennen lernt. An diesem Punkt setzt CoLab an. Daher ist, wenn man den Kontakt erstmal wieder besitzt, auch die sinnvolle Gestaltung der Freizeit einer der sehr wichtigen Aspekte unserer Arbeit.

Gestern waren wir (selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Hygiene) mal wieder in der Natur unterwegs. Eine Kleingruppe besuchte den „Point India“ bei Lüderbach / Ifta, einem ehemaligen US-Stützpunkt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

Blick auf den alten Beobachtungsturm der US-Army
Blick von der Plattform aus in Richtung Thüringen

Insgesamt war das wieder ein sehr schönes Erlebnis, welches wir unseren „Schützlingen“ bieten konnten.

Da wir diese Dinge rein ehrenamtlich und in unserer Freizeit verrichten, suchen wir hier noch ehrenamtliche Unterstützung. Wenn Du dich also angesprochen fühlst und zwischen Eisenach und Eschwege wohnst, kontaktiere uns einfach unter kontakt@colab.de.

Natürlich freuen wir uns auch um jede Geldspende, damit wir entkoppelten Jugendlichen weiterhin diese sinnvollen Aktivitäten bieten können!

Danke!
Euer CoLab-Team

„Haus der Demut“ startet Hilfe

In vergangenen Blogeinträgen haben wir vom Fortschritt im „Haus der Demut“ berichtet. Nach Restarbeiten am neuen Bad und der Wasserversorgung ist es nun einsatzbereit. Die Arbeiten haben wir gemeinsam mit unseren Teilnehmern selber geleistet, viele der Materialien haben wir gespendet bekommen. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

Mit der Fertigstellung haben wir uns am Ende sehr beeilt, da wir das Haus brauchten:  Ein junger Mensch bat uns um Hilfe. Er suchte dringend Abstand zu seinem Milieu, nachdem er Therapie und Entgiftungen immer wieder abgebrochen hatte und sein Konsum zunahm.

Seit zwei Wochen wird das Haus nun von diesem jungen Menschen erfolgreich genutzt. Er kommt in dem Haus zur Ruhe. Die reizlose, naturnahe Umgebung ermöglicht es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, im „hier und jetzt“ zu sein. Unsere sozialpädagogische Begleitung mit co-therapeutischen Elementen nach MATRIX unterstützt den Weg der Genesung. 

Bisher läuft alles ganz gut, sodass wir den jungen Menschen bald in die Gemeinschaft der  AWAG-Mittelmühle integrieren können.

Das „Haus der Demut“ ist eine vorübergehende Station „zum Ankommen“. Ein Aufenthalt dauert ca. 2 – 4 Wochen. Als Besonderheit und nach den Werten der CoLab ist das Haus so konzipiert, dass jeder „Nutzer“ das Haus mit Respekt behandeln soll und etwas zurück lässt, wenn er dann wieder geht.

In diesem Fall hat der Jugendliche ein altes Holzfenster geschliffen und gestrichen. Vielen Dank dafür 😉